• Besitz

    Ich stellte mich um und überließ mich der Verzweiflung über meinen ganzen Besitz, für den ich mich unter der Sonne angestrengt hatte. Denn es kommt vor, dass ein Mensch, dessen Besitz durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde, ihn einem andern, der sich nicht dafür angestrengt hat, als dessen Anteil überlassen muss. Auch das ist Windhauch und etwas Schlimmes, das häufig vorkommt.
    Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt? Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger, und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe. 2,20-23
    Es gibt etwas Schlimmes, etwas wie eine Krankheit, das ich unter der Sonne beobachtet habe: wenn Reichtum, der für seinen Besitzer ängstlich gehütet wurde, diesem Schlimmes brachte. Durch ein schlechtes Geschäft ging ihm dieser Reichtum verloren. Er hatte einen Sohn gezeugt, aber jetzt hat er nichts mehr, das ihm gehört. Wie er aus dem Leib seiner Mutter herausgekommen ist – nackt, wie er kam, muss er wieder gehen. Von seinem Besitz darf er überhaupt nichts forttragen, nichts, das er als ihm gehörig mitnehmen könnte. So ist auch dies etwas Schlimmes, etwas wie eine Krankheit. 5,12-15Kohelet

  • Die Anhäufung

    Der Wettstreit um noch mehr lenkt euch ab,
    bis ihr die Gräber besucht.
    Nein, ihr werdet es noch zu wissen bekommen.
    Noch einmal: Nein, ihr werdet es noch zu wissen bekommen.
    Nein, wenn ihr es nur mit Gewissheit wüsstet!
    Ihr werdet bestimmt die Hölle sehen.
    Noch einmal: Ihr werdet sie mit völliger Gewissheit sehen.
    Dann werdet ihr an jenem Tag euer angenehmes Leben zu verantworten haben. 102

    Koran


  • Man sollte keine Wünsche und kein Verlangen hegen. Darum habe ich mir alle Wünsche erfüllt, die in meinen Gedanken aufstiegen. Einmal sah ich auf dem Bazar bunte Süßigkeiten, die ich unbedingt essen wollte. Ich aß zuviel davon mit dem Ergebnis, dass ich krank wurde.
    Einmal kam mir die Idee, ein kostbares Gewand mit einer Goldborte zu tragen und eine silberne Wasserpfeife zu rauchen. Mathur sandte mir beides. Ich legte das Gewand an und rauchte die Wasserpfeife auf verschiedene Weise. Dann sagte ich zu mir: ‚Das ist also, was man das Rauchen einer silbernen Wasserpfeife nennt!’ Der Wunsch war sofort verschwunden. Ich behielt das Gewand noch ein wenig an; aber dann zog ich es aus, trampelte mit den Füßen darauf, bespuckte es und sagte: ‚Dies ist also ein teures Gewand! Es steigert nur die Gier im Menschen.’ VIII Das Vermächtnis, O.W. Barth Verlag, München
    Rāmakrishna



    [Anm.: Erfüllte Wünsche verschaffen uns nur eine kurze Zeit der Erfüllung, und bald darauf erzeugen sie neue. Unerfüllte Wünsche führen zu Frustration, Ärger, Eifersucht, oder gar Haß. Wenn Ramakrishna davon spricht, er habe sich seine "Wünsche erfüllt", dann bedeutet das, dass er seine Wünsche durchschaut und erkannt hat, dass sie keine essenzielle Grundlage haben.]