• Über Meditation


    ‚Habt Mut! Auch wo ihr Mut nicht habt, habt dennoch Mut! Denn ihr seht doch, die Gestalten der Natur, sie sind verschieden.
    Wer Ohren hat, zu hören, der soll hören!’
    Als der Selige dies gesagt hatte, gab er allen den Gruß und sprach: ‚Friede mit euch! Müht euch um meinen Frieden. Hütet euch, dass niemand euch abirren lasse mit den Worten: Seht hier! Oder: Seht da!, denn der Sohn des Menschen ist inwendig in euch. Ihm sollt ihr nachgehen! Wer ihn sucht, wird ihn finden. vgl Lk 17,21

    Miriam-Evangelium


  • Beschäftige dich unaufhörlich mit Meditation über das Selbst. Weigere dich, deine Gedanken auf Gegenstände der Sinneswahrnehmung zu richten und Frieden wird in deinem Herzen wachsen. Wenn im Herzen Frieden ist, erscheint die Vision des Selbst. Wenn das Selbst unmittelbar erkannt worden ist, zerreißt unsere Bindung an diese Welt. Darum ist die Abweisung aller Gedanken der Sinnesbefriedigung der Pfad der Befreiung.

    Unwissenheit verursacht unsere Identifizierung mit dem Körper, mit den Sinnesorganen und allem anderen, das nicht das Selbst ist. Der ist weise, der diese Unwissenheit durch Hingabe an das Selbst überwindet.

    Erkenne dein wahres Selbst als den Zuschauer aller deiner Denkvorgänge und von den Gedankenschwingungen, die in ihnen erwachen. Erwecke unermüdlich nur die eine Gedankenschwingung: „Ich bin das Absolute.“ So wirst du dich von der Identifizierung mit dem Nicht-Selbst freimachen. Das Kleinod der Unterscheidung, Scherz Verlag, Bern/München

    Shankara


  • Mit anderen Worten, wir müssen einen festen Glauben in unsere wahre Natur besitzen.
    Dogen-zenji sagte: „Man soll seine Praxis in seiner Unwissenheit beginnen.“ Obwohl du denkst, du befändest dich in Unwissenheit, ist dein reiner Geist da. Zen-Geist, Anfänger-Geist, Herder Verlag, Freiburg

    Shunryu Suzuki


  • Hört Tag und Nacht, dass ihr diese Seele seid. Wiederholt es euch Tag und Nacht, bis es durch eure Adern fließt, in jedem Blutstropfen prickelt und in Haut und Knochen übergeht. Erfüllt den ganzen Körper mit dieser einen Vorstellung: „Ich bin die geburtlose, todlose, begnadete, allwissende, allmächtige, ewig glorreiche Seele.“ Denkt daran Tag und Nacht, bis es zu einem Teil eures Lebens wird. Erfüllt euch mit diesem Ideal. Die Macht des Gedankens allein wird euer ganzes Werk verwandeln, veredeln, vergöttlichen. Wenn Materie mächtig ist, so ist der Gedanke allmächtig. Wollte Gott, uns umgäben nicht seit unserer Geburt all jene abergläubischen Einflüsse und lähmenden Ideen der Schwäche und Nichtswürdigkeit! Wollte Gott, die Menschheit hätte einen leichteren Weg zu jenen edelsten und erhabensten Wahrheiten! CW II

    Tatsache ist, dass wir viel Aberglauben, viele arge und wunde Stellen auf unserem Körper haben – diese müssen durchstanden, abgetrennt und zerstört werden – aber sie zerstören nicht unsere Religion, unsere Spiritualität. Jeder Grundsatz der Religion ist sicher, und je eher wir uns dieser schwarzen Flecken entledigen, desto stärker werden die Grundsätze aufleuchten, umso glorreicher. Haltet an ihnen fest! CW III
    Vivekananda


  • Die dieses denken (mit ihrem unterscheidenden Verstand), diesem ihr ganzes, bewusstes Sein zuleiten, dieses zu ihrem einzigen Ziel machen, zum alleinigen Objekt ihrer Hingabe, erreichen einen Zustand, von dem es keine Wiederkehr gibt. V 17
    Der Yogin muss beständig versuchen, seinen Geist auf das höchste Selbst zu richten... 10
    Er lasse sich auf dem Sitze nieder, richte seinen Geist auf einen Punkt, bezähme das Denken und die Sinne, und übe so, zur Läuterung der Seele, die Meditation. 12
    Körper, Haupt und Hals aufrecht und unbeweglich haltend, den Blick nach innen gerichtet und zwischen den Augenbrauen fixiert, blicke er nicht umher. VI 13

    Bhagavadgītā


  • Ich habe deshalb so lange über Meditation und ihre Bedeutung gesprochen, weil Sie, bevor Sie zu meditieren beginnen, überzeugt sein müssen, dass es einen Sinn hat. Wenn Sie nicht von einem bestimmten Ideal angezogen werden, bleibt Ihre Meditation lau und kraftlos, und Sie werden nicht die nötige Konzentration dafür aufbringen.
    Zuerst müssen wir uns bewusst machen, dass wir, auch wenn wir gezwungen sind, in der Alltagswelt ganz andere Aufgaben zu verrichten, ein persönliches und bedeutendes Ideal vor Augen haben. Dieses Ideal muss tief in unser Bewusstsein eingeprägt werden.
    Vedanta and the West


    Prabhavananda


  • Meditation wird hier im Westen meist mit der buddhistischen Herangehensweise in Verbindung gebracht. Da der Buddhismus eine Lehre und keine Philosophie verkörpert, liegt sein Hauptaugenmerk auf einer praktischen Methode, durch deren Anwendung man in der Tat Erfahrung und Verständnis gewinnt. Die hier angeführten Zitate stellen jedoch das Ideal an den Anfang. Westeuropa ist nicht Asien, und es dürfte dem westlich geprägten Menschen schwerer fallen, Hingabe an etwas zu üben, das er nicht von vornherein versteht. Hat man aber zu Beginn ein gewisses Maß an Wissensklarheit erlangt (d.h. sind die Ideen verbunden und um eine Zentralidee angeordnet), ist dies der Grundstein für eine feste innere Überzeugung, die zu Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen befähigt. Das ist dringend notwendig; es geht um Entwicklung und nicht um hübsche Empfindungen...

    Als entscheidend für eine spirituelle Praxis können folgende Punkte angeführt werden:
    - eine einsgerichtete Anstrengung
    - eine aufrechte und unbewegte Körperhaltung (Schmerzen können zu einem gewissen Grad genutzt werden um die Praxis zu intensivieren)
    - Ganzheitlichkeit, kein Bereich weder im Körper noch im Denken oder Fühlen darf ausgenommen sein
    - Durchhaltevermögen im Annehmen auftauchender Probleme (wie Müdigkeit, Unsicherheit, etc.)
  • Heute hat sich die menschliche Situation durch den Fortschritt von Wissenschaft und Technik rapide verändert. Einerseits haben uns die Entdeckungen von Wissenschaft und Psychologie bisher unbekannte Dimensionen der Realität eröffnet, andererseits haben Industrialisierung, Kriege und sozialpolitische Veränderungen Probleme von Unglauben, Unzufriedenheit, Entfremdung, Unsicherheit und Sinnlosigkeit geschaffen. Der menschliche Zugang zu den Naturmächten nimmt in riesigem Maße zu; in gleichem Maße aber nimmt die menschliche Fähigkeit ab, sich selbst ins Auge zu fassen und die eigenen Probleme zu lösen.
    Was die Welt jetzt braucht, ist eine ganzheitliche Betrachtung des Universums und eine vieldimensionale Erfahrung der Wirklichkeit. Dieses Bedürfnis bewegt Tausende in Ost und West, Meditation zu üben. Wenn Meditation dieses Bedürfnis befriedigen soll, müsste sie aus ihrem engstirnigen, doktrinären Rahmen und aus ihrem asketischen Gehäuse gelöst und bei jedem Schritt des Alltags in das Leben des einzelnen Menschen einbezogen werden. Meditation

    Bhajanananda