• Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren;
    wer es dagegen verliert, wird es gewinnen. 17,33

    Lukas-Evangelium


  • Das Opfer - ein zweiseitiger Vorgang


    Das Opfer-Prinzip (Yajna) ist nicht nur „Opfer“, also ein ziemlich widerwilliges Sichlösen von etwas Liebgewonnenem. Yajna ist nicht ein Einbahnverkehr, ist nicht ein einseitiges Geben (an Gott), ohne dafür etwas wiederzubekommen. Er ist ein zweiseitiger Vorgang, von dem Geben nur die eine, Empfangen aber die andere Seite ist. Das deutsche Wort „Opfer“ betont nur den gebenden Aspekt. Die vedische Vorstellung von Yajna kann man als „Teilnehmen“ am kosmischen Lebensdrama umschreiben. Das Wesentliche am Teilnehmen ist das Nichtfesthalten, das Nichtzurückbehalten. Das Leben schenkt uns Nahrung, Luft, Energie, Ideen, Wissen, Liebe, Ruhe, Freude – ja das Leben selbst. Es ist unaufhörliches Fließen, das nur erhalten bleibt, wenn wir ihm zurückgeben, was wir ihm entnehmen. Das ist der Sinn von Yajna: Bewusst diesen Fluss erhalten, indem wir nicht zurückbehalten, was dem Universum gehört. Meditation

  • Liebe und Aufopferung


    Das Opfer ist der einzige Test für Liebe, das einzig glaubhafte Zeichen von Weisheit und ein zuverlässiger Prüfstein für Stärke. Ohne Opfer sind menschliche Beziehungen nichts als ein Tauschhandel, nichts als eine Regelung von Ausbeutung und Eigeninteresse. ... Was du gibst und wie du gibst, spiegelt die Natur deiner Beziehung wieder. Meditation, Vedanta-Zentrum Wiesbaden
    Bhajanananda




    Die Liebe nährt sich von Opfern. Je mehr sich die Seele jede natürliche Befriedigung versagt, um so stärker und uneigennütziger wird ihre Hingabe. Selbstbiographische Schriften, Johannes Verlag, Einsiedeln
    Therese von Lisieux





  • Dieses Geben, bis es schmerzt – dieses Opfer –, ist auch das, was ich als tätige Liebe bezeichne. Jeden Tag sehe ich diese Liebe – bei Kindern, Männern und Frauen. Einmal ging ich die Straße entlang, und ein Bettler kam auf mich zu und sagte: „Mutter Teresa, alle geben Ihnen etwas, ich möchte Ihnen auch etwas geben. Heute habe ich für den ganzen Tag nur 29 Paise, und die will ich Ihnen geben.“ Ich dachte einen Augenblick: Wenn ich das Geld nehme, hat er heute Abend nichts zu essen, und wenn ich es nicht nehme, wird ihn das kränken. Also streckte ich die Hände aus, und ich nahm das Geld. Ich habe niemals so viel Freude in einem Gesicht gesehen wie in dem Gesicht dieses Bettlers – dass auch er als Bettler Mutter Teresa etwas geben konnte. Es war ein großes Opfer für diesen armen Mann, den ganzen Tag in der Sonne zu sitzen und nur 29 Paise zu erhalten. Es war schön: 29 Paise sind eine so geringe Summe, und ich kann nichts dafür bekommen, aber als er sie wegschenkte und ich sie annahm, wurden sie wie Tausende, weil sie mit so viel Liebe gegeben wurden. Lucinda Vardey, Der einfache Weg, Hoffmann und Campe, Hamburg
    Mutter Teresa



  • Drei Grade des Opfers


    Eine Gabe, die man jemandem überreicht, ohne ihre Rückgabe zu erwarten, fühlend, dass man sie zu geben verpflichtet sei, und die an einem rechten Orte und zu rechter Zeit und einer würdigen Person gegeben wird, eine solche Gabe wird als „gut“ erachtet.

    Eine Gabe aber, die in Hoffnung auf eine Gegengabe oder in Erwartung eines zukünftigen Gewinnes oder mit Kummer gegeben wird, hält man für „leidenschaftlich“.

    Und eine Gabe, die an einem unrechten Orte oder zu unrechter Zeit oder einer unwürdigen Person ohne die richtige Form und mit Verachtung gegeben wird, eine solche wird als „töricht“ bezeichnet.
    XVII 20-22


    Bhagavadgītā