• Das Opfergesetz ist das fundamentalste Gesetz des Universums.
    Alle Moralkodizes und sozialen Gesetze sind letztlich aus ihm hervorgegangen. Meditation
  • Sünde als Missachtung des universalen Opfer-Gesetzes


    Ein universales Gesetz besitzt drei Charakteristika: Es gründet in Wahrheit. – Es ist unberührt von Zeit und Ort. – Es ist unabhängig von menschlichem Wissen und Tun.

    Der Mensch erfüllt nicht das Gesetz, das Gesetz erfüllt sich selbst durch ihn. Dass er das Gesetz nicht achtet, befreit ihn nicht von der Verpflichtung, ihm nachzukommen. Wer es nicht beachtet, wird durch dessen gebieterische Macht selbst hineingezogen. Sein Ungehorsam trifft nicht das Gesetz, es trifft nur ihn; denn das Gesetz zerbricht den Menschen, der es bricht. Das gilt für alle physikalischen, moralischen, sozialen und spirituellen Gesetze. Die Natur zwingt jeden von uns, dem Opfergesetz zu folgen – bewusst oder unbewusst – oder zu vergehen. Obwohl es für alle verbindlich ist, ist es kein strenger Verhaltenskodex. Es zeigt uns nur, wie wir auf natürliche Weise zu Harmonie und Frieden finden können. Das Gesetz erscheint nur dem als streng, der es umgehen will. Dem, der es wissentlich und mit Vertrauen befolgt, wird es zur Gewohnheit, zur Lebensweise, zu einer Haltung, zu einem Teil seines Wesens. Meditation, Vedanta-Gesellschaft Wiesbaden
    Bhajanananda


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         Die sieben Hauptsünden

         1. Stolz
         2. Habsucht
         3. Neid
         4. Zorn
         5. Unkeuschheit
         6. Unmäßigkeit
         7. Überdruss.

    Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche (Nr.1866)


  • Auch im Denken und Leben der Kirche gibt es Erscheinungen, die dazu beitragen, dass das Sündenbewusstsein schwindet oder ein falsches Sündenbewusstsein entwickelt wird. Nicht selten werden übertriebene Einstellungen der Vergangenheit durch neue Übertreibungen ersetzt: Während früher die Neigung bestand, in beinahe allem und jedem Sünde zu sehen, gelangen nicht wenige heute dazu, sie nirgendwo mehr zu sehen; während früher in der Verkündigung die Furcht vor ewiger Strafe überbetont wurde, findet sich heute weithin eine Verkündigung der Liebe Gottes, die jede für Sünde verdiente Strafe ausschließt… III 2.1.

    Erwachsenen-Katechismus II


  • Die "kleinen" Sünden: die Ebene der Gedanken und des Willens


    Ebenso gefährden nicht nur große Sünden unsere Seele, sondern verborgene böse Gedanken, die Keime großer und kleiner Sünden, wirken noch viel zerstörender. 22
    Wir tragen Verantwortung für die bösen Gedanken, die gleich Wolken aus unserem Herzen aufsteigen, am Himmel schweben und Dunkelheit bewirken. 19, Wirklichkeit und Religion
    Sadhu Sundar Singh



    Ob all diese Gedanken die Seele belästigen oder nicht belästigen, hängt nicht von uns ab. Ob sie jedoch in uns verweilen oder nicht verweilen, Leidenschaften anregen oder nicht anregen, das hängt von uns ab.

    Eine Sünde des Mönchs ist die freie Zustimmung des Willens zu der verbotenen Lust des Gedankens. Akedia, Bunge, Beuroner Kunstverlag, II
    Wüstenväter


  • Sünde als Unbewusstheit des eigenen Person-Seins, was zur Entfremdung führt


    Das Wort „Sünde“ wird heutzutage so leicht missverstanden, dass es schon fast unbrauchbar wird. Was in anderen Zeiten Sünde genannt wurde, nennen wir Entfremdung. Die lebendige Sprache hat hier ein passendes Wort gefunden. Entfremdung suggeriert eine Entwurzelung vom eigenen wahren Selbst, von anderen, von Gott (oder was sonst von fundamentaler Bedeutung ist), und all das in einem einzigen Wort. Eine Handlung ist in dem Maße sündig, in dem sie Absonderung, Entfremdung verursacht. Was aber nicht Entfremdung verursacht, ist keine Sünde. Daraus die Konsequenzen zu ziehen, könnte sich für viele als befreiend, für andere als beschuldigend erweisen. Es könnte eine signifikante Gewichtsverlagerung in der Ethik von privater Perfektion zu sozialer Verantwortung bedeuten. Fülle und Nichts, Herder Verlag, Freiburg

    David Steindl-Rast


  • Es ist bekannt, dass moralisches Verhalten nicht einmal den Beginn der Spiritualität markiert. Spiritualität beginnt erst nach einer voll entwickelten Sittlichkeit. VII, Call to the Eternal, Advaita Ashrama, Kalkutta

    Ashokananda


  • Sich als wertlosen Sünder zu sehen, ist ein großes Hindernis auf dem Meditationsweg. Für einige Anfänger mag das für ihre Gebetsübungen von Nutzen sein. Es kann helfen, ihre Ichhaftigkeit abzuschwächen und ihre Abhängigkeit von Gott zu stärken. Doch von einem bestimmten Augenblick an hilft die Einstellung, ein Sünder zu sein, nichts mehr und könnte echtes Suchen behindern. Die Seele muss ihre Masken der Sündhaftigkeit abwerfen, ehe sie sich dem reinen Glanz des Herrn nähert. Je reiner die Seele wird, umso stärker fühlt sie sich von Gott angezogen. Meditation, Vedanta-Gesellschaft Wiesbaden
    Bhajanananda



    Es mag Schwäche geben, aber wir wollen wachsen. Man überwindet Schwäche nicht dadurch, dass man über sie nachgrübelt, sondern dadurch, dass man an Stärke denkt.
    Sagt nie nein, sagt nie „ich kann nicht“, denn ihr seid das Unendliche.
    Ihr seid die Kinder Gottes, Kinder unsterblicher Seligkeit, heilige und vollkommene Wesen. Ihr göttlichen Wesen auf Erden – Sünder? Es ist Sünde, einen Menschen so zu nennen; es ist eine ständige Verleumdung der menschlichen Natur. Vedanta: Der Ozean der Weisheit, O.W. Barth Verlag, München
    Vivekananda
  • Die Buße hat von Anbeginn im Christentum einen hohen Stellenwert. Johannes bereitet mit der von den Sünden reinigenden Taufe Jesus den Weg. Es ist die Buße, die dem Gebet und der Entsagung vorausgeht, und die im Gottesdienst im anfänglichen Schuldbekenntnis ihre Entsprechung findet. Spannungen können entstehen, weil in der Ver- gangenheit Sünde als schuldhafter Selbstzweck dargestellt und dadurch überbetont wurde (s. auch Text "Erbsünde").
    Betrachtet man jedoch die Leben der Wüstenväter und Heiligen, so erscheint die Gewissensprüfung vielmehr als ständiges Bindeglied zwi- schen Mensch und Gott, zwischen dem makelbehafteten Istzustand und dem Ideal der Heiligkeit. Im Angesicht der eigenen Fehler sucht der Strebende immer wieder die Hinwendung an das Göttliche, in dessen Erkenntnis allein die Freiheit von der Sünde liegt. In der Kommunion mit Jesus wird die Sünde "hinweggenommen".
    Theoretisch ist es also ein sich-selbst-Herabsetzen, in der praktischen Hinwendung an Gott erfolgt jedoch die schrittweise Auflösung der Sünde (des Karma od. Unbewussten) und somit die eigene Erhöhung.
    Es bleibt noch die Frage, wie ein solches Sündenbewusstsein mit unserem Zeitgeist einhergehen kann. Ein Nebeneinander erscheint in der Tat schwierig, da der Individualismus immer die Stärke und Selbst- verwirklichung des Einzelnen betont, was mit einem zerknirschten Schlagen an die eigene Brust schwer zusammengeht. Aus diesem Grund wurden die Zitate der indischen Mönche angehängt.