• Wenn ich die großen Kirchen und Kathedralen in Europa sehe, dann frage ich mich: Was ist mit der Spiritualität des Landes passiert? Europa war einmal Stätte zahlreicher Mönche und Nonnen. Es brachte bedeutende religiöse Bewegungen hervor, Mönchsorden, große Heilige. Was ist passiert mit der Spiritualität, angesammelt durch die Jahrhunderte? Alles wurde zu Mauern und Farbe. Die spektakulären Errungenschaften der Wissenschaft und Technik, von Kunst und Politik haben stark an den spirituellen Reserven Europas gezehrt. Im Zuge der letzten zwei- oder dreihundert Jahre wurde das spirituelle Leben vernachlässigt. Das materielle Leben und körperliches Vergnügen sind zum obersten Anliegen der Menschen geworden. Nichts wurde mehr zur ursprünglichen spirituellen Grundlage beigetragen. Die Folge davon war, dass die gesamte religiöse Atmosphäre in Europa verlorengegangen ist. Andere Kräfte haben anstelle der spirituellen Kraft zugenommen. Die gegenwärtige Zerstörung [der zweite Weltkrieg] ist eine Folge davon.
    Meditation and Spiritual Life


    Yatiswarananda


  • Es gibt zu viel Reichtum, zuviel Komfort, einen sehr hohen Lebensstandard, nicht nur in den Familien, sondern auch bei den Orden.
    Von überall her kommen die jungen Menschen nach Indien und führen ein sehr armseliges Leben, ärmer als unseres, weil sie das Verlangen haben, aus ihrem reichen Milieu auszubrechen. Ich glaube, sie wollen wirklich ein lebendes Beispiel für die Armut Christi sein. Es genügt nicht, den Geist der Armut zu kennen; man muss die Armut kennen, wenn man wirklich nichts besitzt. Geistliche Texte, Matthias-Gründwald-Verlag, Mainz

    Mutter Teresa


  • Mach deine Gewissenserforschung: Sind deine Wege so hart wie die des Kindes, das in der Felsenhöhle geboren wird, nach Ägypten flieht, in der Werkstatt des Zimmermanns aufwächst; wie die des Mannes, der mit der Arbeit seiner Hände die verwitwete Mutter ernährt, in der Wüste fastet, als armer, verfolgter, bedrohter Missionar die Städte und Dörfer durchzieht, nach Kaivaria hinaufsteigt? Bist du so arm wie der arme Arbeiter von Nazareth? Verbringst du wie Er, nach der harten Arbeit des Tages, deine Nächte im Gebet; wachst du mit demselben Feuer, mit derselben Ausdauer und Beharrlichkeit? Arbeitest du wie Er mit deinen Händen, um dein Brot zu verdienen? Bist du ebenso klein wie er in den Augen der Menschen? Nein. – Du folgst Ihm also nicht nach. Du teilst sein Leben nicht. Du ahmst Ihn nicht nach. Wohin gehst du, was tust du, welchem Weg folgst du? Wohin verirrst du dich, weitab vom „Weg, der Wahrheit und dem Leben“, fern vom Geliebten, fern vom einzigen Gut? Der letzte Platz, Johannes Verlag, Einsiedeln

    Charles de Foucauld


  • Kurz nach zwei Uhr in der Frühe ruft die Schlafsaalglocke die Mönche [Trappisten] zum Nachtgottesdienst in die Kirche. Völlig angekleidet haben sie ungefähr sieben Stunden auf ihrem Strohlager in der kleinen Zelle geruht. Wenn dieselbe Glocke abends um 19 Uhr zur Ruhe einlädt, hat der Trappist 17 Stunden hinter sich, die in der Hauptsache dem Gebet, dem Studium, der geistlichen Lesung und der Handarbeit galten ... Stillschweigen begleitet alle diese Übungen und erleichtert die Sammlung. – Die Ernährung ist streng vegetarisch: Fleisch-, Fisch- und Eierspeisen sind nicht gestattet, außer bei Schwächlichkeit und Krankheit. – Einen besonderen Aufgabenkreis haben die Trappisten nicht. Sie sind weder Landwirte noch Schriftsteller noch Wissenschaftler und dergleichen, das alles sind sie nur gelegentlich und nebenbei. Ihr ganzer Seinsgrund liegt in ihrem Dasein für Gott, in der schlichten und einfachen Form, die das echte Mönchtum auszeichnet.
    Hasenberg, Das Wirken der Orden


    Berichtet von Andreas Schmidt

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    Dies ist die Regel und das Leben der Brüder: Im Gehorsam, ehelos und ohne Eigentum leben und der Lehre unseres Herrn Jesus Christus und seinen Spuren nachfolgen. Nicht bullierte Regel 1

    Franz von Assisi


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            Das arme Leben in Einsamkeit
            ist zu Beginn schwer,
            wird mit der Zeit leicht,
            und am Ende himmlisch.
            In Widerwärtigkeiten ist es standhaft,
            bei Zweifeln treu,
            im Glück maßvoll,
            Es ist bescheiden im Lebensstil,
            einfach im Benehmen,
            züchtig im Reden,
            keusch im Verhalten.
            Es ist höchst erstrebenswert,
            da es ganz und gar,
            keinen Ehrgeiz hegt.
           Das eremitische Leben Nr.4


    Guigo I (Karthäuser)


  • Stefan aber leitete das Kloster und die gesegnete Herde, die Feodossij gesammelt hatte... solche Mönche, die wie Himmelslichter in der Rus erstrahlen. Da waren etliche nämlich standhafte Asketen, etliche wachten unermüdlich, etliche vollzogen viele Kniefälle, etliche enthielten sich völlig einen Tag lang der Speise, etliche aßen nur jeden dritten Tag. Andere aßen nur Brot mit Wasser oder gekochtes Gemüse, andere aßen nur Ungekochtes. Sie hielten sich in der Liebe: die Jüngeren waren den Älteren untertan und wagten nicht, in ihrer Gegenwart zu sprechen, sondern sie übten Unterwürfigkeit und strengen Gehorsam.
    So übten auch die Älteren Liebe zu den Jüngeren und belehrten und trösteten sie, wie ihre geliebten Kinder. Wenn ein Bruder in irgendeine Sünde gefallen war, so trösteten sie ihn, und die Bußstrafe, die auf einen Bruder gelegt war, teilten drei oder vier Brüder mit ihm aus großer Liebe. So herrschte die Liebe in dieser Bruderschaft und große Enthaltsamkeit. Wenn ein Bruder aus dem Kloster austrat, so hatte die ganze Bruderschaft große Trauer darum; sie schickten Abgesandte zu ihm und luden den Bruder ein, wieder ins Kloster zu kommen; sie gingen alle und baten mit Verneigungen den Abt für den Bruder und nahmen ihn mit Freude wieder im Kloster auf. Solche Liebende waren sie, solche Asketen und Faster!
    Über die Mönche der ersten Generation im „Höhlenkloster“ in Altrussland (um 1074) -
    Texte zum Nachdenken, Herder-Verlag, Freiburg