• Der direkte, selbstlose Umgang mit Gott


    Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. 11,9

    Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!, wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?
    Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht. 11,5-8

    Lukas-Evangelium



  • In der Liebe meines Gottes komme ich an kein Ende. Da hindert nichts, da bin ich immer mit meinem lieben Gott auf das innigste vereinigt. Auch bei meinen vielen Geschäften bin ich oft um so inniger mit ihm vereinigt. Ich rede da auch ganz vertraulich wie ein Kind mit seinem Vater. Ich klage ihm da meine Anliegen, meine Bitten, was mich am meisten drückt. Dann bitte ich ihn, er möchte mir diese oder jene Gnade verleihen, aber mit recht kindlichem Vertrauen, ja mit recht großem Vertrauen. Brief von 1872

    Bruder Konrad



  • Um zu Gott zu beten, hast du nichts nötig. Wo immer du bist, wo immer du Ihn anrufst, Er hört dich. Es braucht dazu wirklich kein Tun, keine Mittelsperson, keinen Diener.
    Sprich: „Erbarme Dich meiner!“ Und alsbald wird Gott da sein.
    Er wartet das Ende deines Gebetes nicht ab. Du empfängst die Gabe, bevor du zu beten aufgehört hast.
    Chrysostomus



    Gott hört auf dein Beten, wenn du ihn dabei suchst. Er hört dich nicht, wenn du durch ihn anderes suchst.
    Augustinus



    O mein Gott, wenn ich Dich anbete aus Furcht vor der Hölle, dann schicke mich ins Höllenfeuer. Wenn ich Dich verehre in der Hoffnung auf das Paradies, dann verwehre es mir. Wenn ich Dich aber um Deiner selbst willen anbete, dann verbirg Deine ewige Schönheit nicht vor mir.
    Rabia



  • Es gibt in der Welt keine süßere und erfreulichere Art von Leben als die des andauernden Umganges mit Gott; nur die ihn pflegen und genießen, können das verstehen. Doch rate ich Ihnen nicht, es aus diesem Beweggrunde zu tun; Tröstungen sind es nicht, die wir in dieser Gepflogenheit suchen sollten; sondern tun wir es aus dem Grunde der Liebe, und weil Gott es will!
    Wäre ich ein Prediger, so würde ich über nichts anderes predigen; wäre ich ein Seelenführer, so würde ich aller Welt zu ihr raten: für so nötig und sogar für so leicht erachte ich sie. Im Angesicht Gottes, Verlag Otto Walter AG, Olten

    Bruder Lorenz



  • Du möchtest die ganze Nacht beten, und du möchtest alle Teile des Korans dabei rezitieren, aber du betest nicht. Nur der betet die ganze Nacht, der für Mich betet, nicht für irgendeinen Rosenkranz oder einen begriffenen Teil der Schrift. Ihm begegne Ich mit Meinem Angesicht, und er besteht durch Mein Durch-Mich-Bestehen, indem er weder etwas für Mich noch von Mir begehrt. Wenn Ich will, spreche Ich mit ihm, und wenn Ich ihn zu belehren wünsche, belehre Ich ihn.

    Die mit dem Rosenkranz Beschäftigten gehen fort, wenn sie ihn vollendet haben, und die mit den Koranteilen Beschäftigten gehen fort, wenn sie sie gelesen haben; aber die mit Mir Beschäftigten gehen nicht fort, denn wie sollten sie fortgehen? Mystische Dimensionen des Islam

    Niffari


  • Rezitation


    Das unablässige innerliche Jesusgebet ist das ununterbrochene, unaufhörliche Anrufen des Göttlichen Namens Jesu Christi mit den Lippen, mit dem Geist und mit dem Herzen, wobei man sich seine ständige Anwesenheit vorstellt und ihn um sein Erbarmen bittet bei jeglichem Tun, allerorts, zu jeder Zeit, sogar im Schlaf. Es findet seinen Ausdruck in folgenden Worten: Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner! Wenn sich nun jemand an dieses Anrufen gewöhnt, so wird er einen großen Trost erfahren und das Bedürfnis verspüren, ständig dieses Gebet zu verrichten, derart, dass er ohne dieses Gebet gar nicht mehr leben kann, und es wird sich ganz von selbst aus ihm lösen.
    Jungclaussen, Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers, Herder Verlag, Freiburg


    Erzählungen eines russischen Pilgers


  • Visualisierung


    Ich bitte euch ja gerade nicht, nachzusinnen, geistreiche Formulierungen zu finden und tiefsinnige Betrachtungen anzustellen. Ich möchte nur, dass ihr ihn anseht. Was hindert euch denn, die Augen der Seele – zumindest für einen kurzen Blick – auf ihn zu richten? Ihr seid ja fähig, recht hässliche und abstoßende Dinge zu betrachten: warum dann nicht auch das Schönste, was man sich vorzustellen vermag? Erika Lorenz, Texte zum Nachdenken, Herder-Verlag, Freiburg
    Theresa von Avila



    Oft erhalten wir durch unsere Gebete nicht, was wir erhoffen, weil wir unsere Aufmerksamkeit und unser Herz nicht auf Christus gerichtet haben, durch den unsere Gebete zu Gott gelangen. Oft ist ein Blick auf Christus das beste Gebet: „Ich schaue ihn an, er schaut mich an“: das ist das vollkommenste aller Gebete. Lucinda Vardey, Der einfache Weg, Hoffmann und Campe, Hamburg
    Mutter Teresa


  • Das Symbol ist ein Mittel, um durch Gedankenverbindungen an das göttliche Bewusstsein erinnert zu werden. Das Göttliche darf aber nicht auf die Ebene des Bildnisses herabgezogen werden. Das Symbol ist hilfreich, solange man es als eine Darstellung des Göttlichen betrachtet. Solange wir das tun, ist es keine Götzenverehrung, sondern ein Schritt zur Verwirklichung des Absoluten.
    Es können Bilder und Statuen göttlicher Persönlichkeiten sein wie Buddha, Krishna, Vishnu, Shiva, Durga, die Madonna mit dem Jesuskind auf dem Arm oder Jesus, Ramakrishna und so weiter.

    Sie können auch aus einer menschlichen Beziehung bestehen, indem Gott als Vater, Bruder, Mutter, Freund und so weiter betrachtet wird. Ja, die menschliche Beziehung selbst ist ein Symbol, ob ein Bildnis benutzt wird oder nicht. Abenteuer der religiösen Lebens

    Yatiswarananda


  • Das von dem Strebenden erwählte Ideal beginnt, das Denken auf sehr subtile Weise zu beeinflussen. Wenn wir über Jesus, Buddha, Ramakrishna oder eine Gottheit meditieren, nimmt unsere Seele deren göttliche Eigenschaften an, ohne dass wir es merken. Ihre Natur sickert in unser Denken und verleiht unserem inneren Ich eine feine göttliche Aura. Meditation über eine Gottheit hilft auf diese Weise dem Ich beim Prozess der Gottwerdung. Wie selten wird das erkannt!
    Meditation
    Bhajanananda
  • Der gestalthafte Gott ist so wirklich wie der gestaltlose Gott. Wisst ihr, womit man es vergleichen kann, wenn Gott nur als gestaltlos beschrieben wird? Mit einem Manne, der nur einen Ton auf seiner Flöte bläst, obgleich sie sieben Löcher hat. Auf demselben Instrument spielt ein anderer verschiedene Melodien. Auf wie viele Weisen kann man sich an einem Persönlichen Gott erfreuen! Es gibt die Haltung des Dieners, des Freundes, der Mutter, des Gatten oder des Geliebten.
    VI, Das Vermächtnis, O.W. Barth Verlag, München


    Gott ist formlos und hat auch Form. Er ist aber auch das, was Form und Formlosigkeit übersteigt. Nur Er allein weiß, was Er ist.

    Rāmakrishna