• Das Leben ist schwierig.
    Das ist eine große, ja, eine der größten Wahrheiten. Es ist eine große Wahrheit, weil wir sie, wenn wir sie wirklich erkennen, transzendieren. Sobald wir ernsthaft wissen, dass das Leben schwierig ist - es wirklich verstehen und akzeptieren - ist es jedoch nicht länger schwierig. Sobald nämlich einmal die Tatsache akzeptiert ist, dass das Leben schwierig ist, ist dies gar nicht mehr so wichtig.
    Die meisten Menschen sehen diese Wahrheit, dass das Leben schwierig ist, nicht klar. Statt dessen klagen sie mehr oder weniger unablässig, lauthals oder unterschwellig, über das riesige Ausmaß ihrer Probleme, ihrer Bürden und Schwierigkeiten, als sei das Leben im allgemeinen leicht, als solle es leicht sein. Ich kenne mich mit diesen Klagen aus, weil auch ich meinen Teil dazu beigetragen habe.
    Das Leben ist eine Serie von Problemen. Wollen wir darüber klagen oder sie lösen? Wollen wir unseren Kindern beibringen, sie zu lösen?
    Disziplin gehört zu den Grundwerkzeugen, die wir brauchen, um die Probleme des Lebens zu lösen. Ohne Disziplin können wir nichts ausrichten. Mit nur etwas Disziplin können wir nur einige Probleme lösen. Mit totaler Disziplin können wir alle Probleme lösen.

    Was das Leben schwierig macht, ist, dass der Prozess, sich Problemen zu stellen und sie zu lösen, schmerzhaft ist. Probleme erwecken in uns,
  • je nach ihrer Natur, Frustration oder Kummer oder Trauer oder Schuldgefühle oder Reue oder Zorn oder Angst oder Furcht oder Qual oder Verzweiflung. Diese Gefühle sind unangenehm, sehr unangenehm, und tun oft so weh wie physischer Schmerz, manchmal wie schlimmster physischer Schmerz. Eben wegen des Schmerzes, den Ereignisse oder Konflikte in uns auslösen, nennen wir sie Probleme. Und da das Leben eine endlose Reihe von Problemen stellt, ist das Leben immer schwierig und ebenso voller Schmerzen wie voller Freuden.
    Aus diesem gesamten Prozess jedoch, Problemen zu begegnen und sie zu lösen, gewinnt das Leben seinen Sinn. Probleme sind die Scheidewand, die zwischen Erfolg und Misserfolg unterscheidet. Probleme rufen unseren Mut und unsere Weisheit auf den Plan; tatsächlich schaffen sie unseren Mut und unsere Weisheit. Nur durch Probleme wachsen wir. Wenn wir das Wachstum des menschlichen Geistes fördern wollen, so fordern wir die menschliche Fähigkeit zum Problemlösen heraus und fördern sie, genauso, wie wir unseren Kindern in der Schule bewusst Probleme zu lösen geben. Durch den Schmerz, Problemen zu begegnen und sie zu lösen, lernen wir. Aus diesem Grunde lernen weise Menschen, Probleme nicht zu fürchten, sondern willkommen zu heißen, gerade den mit Problemen verbundenen Schmerz zu begrüßen. I Der wunderbare Weg, Goldmann Verlag, München
    Scott Peck


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    Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Schüler sein. Lk 14,27
    Lukas-Evangelium


  • Der Schüler muss auch ein großes Durchhaltevermögen besitzen. Das Leben scheint bequem zu sein, und wenn alles in Ordnung ist, benimmt sich das Denkorgan gut; wenn aber etwas schief geht, kommt es aus dem Gleichgewicht. Das ist nicht gut. Ertrage alles Leid und Elend ohne Murren und Kränkung, ohne einen Gedanken an Traurigkeit, Widerstand oder Vergeltung. Das ist echtes Durchhaltevermögen. Als mein Meister krank wurde, schlug ihm ein Brahmane vor, er solle seine enorme mentale Kraft anwenden, um sich selbst zu heilen. Sri Ramakrishna antwortete: „Was! Mein Denken, das ich Gott geweiht habe, auf diesen kleinen Körper herunterholen!“ Er weigerte sich an Körper und Krankheit zu denken. Sein Denken war unentwegt bei Gott, war Ihm allein geweiht. Er würde es zu nichts anderem benützen.
    Denkt auch an den Menschen am Kreuz! Er bemitleidete jene, die ihn kreuzigten. Er ertrug jede Erniedrigung, jeden Schmerz. Er nahm die Lasten aller auf sich: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Das ist wahres Ertragen. Wie hoch stand er über diesem Leben, so hoch, dass wir es nicht begreifen können! Vedanta-Heft

    Vivekananda


  • Doch all unser Friede, den wir in diesem elenden Leben erkämpfen, ist im Grunde nur mehr ein demütiges Tragen des Unangenehmen als ein Nichtempfinden des Widrigen zu nennen. Wer sich am besten auf das Leiden versteht, der wird größeren Frieden haben, der ist Sieger über sich selbst, der ist Herr über die Welt, ist Christi Freund und Erbe des Himmels. II 3

    Nachfolge Christi


  • Wenn wir sehen, wie ein Teil des Mondes von einer Wolke bedeckt ist, fühlen wir, wie rund der Mond ist.
    Für Zen-Schüler ist das Unkraut, das für die meisten Menschen wertlos ist, ein Schatz. Zen-Geist, Anfänger-Geist, Herder Verlag, Freiburg
    Shunryu Suzuki




    Die weder Kämpfe noch Leiden auf dieser Welt zu bestehen haben, sind wie tote faule Gewässer. Aber die ihre Leiden, ihre Schmerzen und Kämpfe ertragen, gleichen reißenden Wassern, die an Schönheit gewinnen, wenn sie über Felsen fließen und als Wasserfälle herabstürzen.
    J.M. Vianney