• In Europa herrscht heute der Materialismus vor. Man kann für das Heil der modernen Skeptiker beten, aber sie geben nicht nach in ihrem Verlangen nach Vernunft. Die Rettung Europas hängt von einer rationalen Religion ab, und Advaita – die Lehre der Nicht-Zweiheit, des Einsseins, der Vorstellung eines unpersönlichen Gottes – ist die einzige Religion, die intellektuelle Menschen anspricht. Die Idee des Advaita taucht auf, wenn Religion zu verschwinden droht und Unglauben sich ausbreitet, und deshalb hat er in Europa und Amerika Fuß gefasst.Vedanta: Der Ozean der Weisheit, O.W. Barth Verlag, München

    Vivekananda

  • Der Vedanta spricht von der Einheit hinter diesem Universum. Gott ist letztlich Einheit. Aus der Einheit kam diese Vielfalt. Im Universum sind die Dinge in stetem Fluss, sie wandeln sich. Deshalb muss es etwas geben, das unwandelbar ist, wie könnten wir sonst den Wandel wahrnehmen? Durch diese Folgerungen entdecken wir, dass wir nicht nur Körper und Denken sind, sondern dass es etwas jenseits des Denkens gibt. Wenn es etwas jenseits des Denkens gibt, so ist es immateriell. Das Denken wandelt sich, deshalb gehört es der Materie an. Das, was sich nicht wandelt, ist ewig. Das, was ewig ist, ist eine spirituelle Wirklichkeit, ist unendlich. Im Unendlichen gibt es keine Unterteilung. Unendlichkeit ist Einheit, und diese Einheit ist das Absolute, die Letzte Wirklichkeit. Wenn wir diese Einheit mit unserem menschlichen Intellekt, unseren menschlichen Gefühlen wahrnehmen, dann wird diese Einheit zum Persönlichen Gott. Der Beweis für den Persönlichen Gott ist das Unpersönliche Absolute, das Unendliche. So beweist der Vedanta die Existenz Gottes. Dies ist völlig logisch.Vedanta und das heutige Denken
    Pavritrananda

  • Da eine solch „rationale Religion“ zu dem radikalen Schluss kommt, dass letztlich nur das Eine existiert, mag hier noch ein kurzer Gedanke angebracht sein:
    Wir westlichen Menschen sind in der Regel liberal eingestellt. Es ist jedoch eine unbestreitbare Tatsache, dass der Fanatiker den Liberalen an Stärke übertrifft. Der Fanatiker ist nicht bemüht, viele Standpunkte zu berücksichtigen, es geht ihm nicht darum, alles zu kennen und zu verstehen – zu allererst weiß er um sich, um seine Situation und um seine Gesinnung, über die er nicht zu diskutieren braucht. So spart er viel Energie, und richtet diese einzig auf eine Idee, auf eine Tätigkeit aus. 
    Gerade heute hat das verständlicherweise einen eher negativen Beigeschmack. Dennoch muss es nicht immer so sein, dass sich Radikalität von unbewussten Tendenzen ableitet, die die eigene Sichtweise aufs Gröbste verzerren (und dessen zerstörerische Auswirkungen in den Nachrichten oft zu sehen sind). Grundsätzlich muss man einem radikalen Menschen auch die Möglichkeit zugestehen, seine einsgerichtete Anstrengung aus sehr schlüssigen, sehr rationalen Beweggründen heraus zu vollziehen. Und warum sollte er die Position eines anderen leugnen...?
    Praktische Religion ist immer radikal.