• Im traditionslosen freien Fall


    In unserer vorherrschend materialistischen Zeit scheint es ein großes Bedürfnis nach Wahrheit zu geben. Es ist natürlich, dass die Menschen nach Wahrheit hungern. Der ausgeprägte Materialismus lässt die Seele sich zunehmend unbehaglicher fühlen, und sie beginnt, sich nach spiritueller Verwirklichung zu sehnen. Aber wie sucht sie nach Spiritualität? – Gewöhnlich gibt es zwei Arten von Suchenden. Die Neugierigen wundern sich, ob es irgendetwas anderes gibt oder nicht, ob es wahr ist, dass es eine Seele und ein Jenseits gibt. Sie schauen nach Wundern aus, um es auszuprobieren und zu prüfen. Sie versuchen Hellsehen, Psychometrie und andere Psi-Methoden. Es gibt Hunderte und Tausende, die in Verwirrung umherwandern und nach Ungewöhnlichem Ausschau halten. Andere lesen Bücher verschiedener geistiger Richtungen und werden schließlich immer verwirrter. Sie wissen nicht, was falsch oder wahr ist.
    Karima Sen. Gupta, Texte zum Nachdenken, Herder-Verlag, Freiburg


    Hazrat Inayat Khan

  • Die eigene Nicht-Abhängigkeit als Schlüssel


    Du kannst nicht einmal einen Furz mit deinem Nächsten austauschen. Jeder einzelne von uns muss sein eigenes Leben leben. Dabei brauchen wir uns keine Gedanken darüber zu machen, wer von uns der Fähigste ist.

    Oi, was glotzt du in die Gegend!? Merkst du nicht, dass es hier um dich selbst geht?

    Die Kinder haben eine Maus gefangen: Jetzt zappelt sie in der Falle. Die Kinder haben ihren Spaß daran, zu beobachten, wie sie sich die Nase blutig reibt und den Schwanz zerreißt. Am Ende wird sie dann der Katze zum Fraß vorgeworfen. Wenn ich an der Stelle der Maus in der Falle säße, würde ich mir sagen: „Ihr verdammten Menschen werdet keinen Spaß an mir haben!“ – und würde einfach in Zazen sitzen.
    http://antaiji.org/archives/deu/andich.shtml


    Sawaki Kôdô Rôshi




  • Wenn wir nicht mehr wissen, was wir sagen oder tun sollen, was schädlich und was harmlos ist, dann kann aus heiterem Himmel plötzlich die Losung „Halte dich an den hauptsächlichen der beiden Zeugen“ auftauchen. Von den beiden Zeugen – Ich und anderer – sind wir selbst die einzigen, die die volle Wahrheit über uns kennen.
    Manchmal werden wir dadurch auf unsere Unwissenheit aufmerksam gemacht, dass wir eine Rückmeldung aus der äußeren Welt erhalten. Andere Menschen können uns eine große Hilfe sein, wenn sie uns unsere blinden Flecken zeigen. Gerade wenn eine Bemerkung von ihnen uns zurückzucken lässt, wäre es weise, uns ihre Einsichten und ihre Kritik zu Herzen zu nehmen. Aber letztlich sind wir selbst diejenigen, die wissen, was in unserm Herzen und unserem Geist vor sich geht.
    Geh an die Orte die du fürchtest, Arbor Verlag, Freiamt


    Pema Chödrön

  • Der pfadlose Pfad und sonstiger paradoxer "Unsinn"

    Es sollte uns also durchaus erlaubt sein, zusätzlich zur Selbstergründung „flankierende Maßnahmen“ zu ergreifen, je nach Temperament und Veranlagung.
    Gerade was die Verwirklichung des Selbst angeht, verkrampfen sich viele, wenn ihnen von vorneherein alle Wege, Hilfsmittel, Rituale und Methoden aus der Hand geschlagen werden. Sie dürfen sich nicht anstrengen, weil jede Anstrengung ja beweisen würde, dass man sich des immer schon verwirklichten Selbst nicht bewusst ist. Dieses Sich- nicht-anstrengen-Dürfen erzeugt erhöhten Blutdruck. Auf der Suche nach absoluter Einfachheit und Direktheit wird man zum schlauen Sophisten erzogen. Man belauert sich, versucht sich zu überraschen, tritt plötzlich hinter sich und ruft laut „Ha!“, denn irgendwie muss man seinem Selbst ja auf die Spur kommen. Und nachdem man in einem klugen Zen- oder Satsang-Buch gelesen hat, dass „es“ in genau dem Augenblick aufleuchtet, wo wir die Suche aufgeben, versucht man die Suche aufzugeben, verhält sich ganz still, tut so, als würde einen die Selbstverwirklichung überhaupt nicht interessieren – und das Selbst denkt natürlich nicht daran, auf diesen Trick hereinzufallen.
    Also: Entspannen wir uns ein wenig [sehen wir die Dinge nicht zu eng] – und strengen wir uns ruhig ein wenig an. Hans Torwesten, Der Mut auf den Grund zu gehen 6, Via Nova Verlag


  • Berufung gemäß der eigenen Natur


    Man soll das seiner Natur angemessene Werk nicht aufgeben, mag es auch fehlerhaft sein. Wie das Feuer vom Rauch, sind alle Unternehmungen von Mängeln umhüllt. XVIII 48

    Bhagavadgītā

  • „Wäre ich doch...“


    Obwohl es stimmt, dass es im Universum eine über allem stehende wirkende Wahrheit gibt, den Dharma, wirkt er auch in jedem Individuum entsprechend dessen Entwicklungsstufe, das heißt entsprechend seiner Entwicklung und des Bedarfs des Augenblicks. Jeder Dharma hat seinen Anspruch, hat sein Recht, beachtet zu werden.
    Der Weg führt durch eine Reihe von Kompromissen, bis der Mensch an einem Punkt gezwungen ist, seine Wahl zu treffen, ob er sich den Anforderungen äußerer Gesetze unterwirft oder auf seinem ursprünglichen eigenen Anspruch besteht. Hier weist die Gita eine eindeutige Richtung: „Bevorzuge deinen noch so schweren eigenen Dharma vor dem noch so verlockenden Dharma eines anderen.“
    Dharma for All


    Sri M.P. Pandit

  • Mönch oder Familienvater?


    „Wie kann man einen Wassertropfen davor bewahren, jemals auszutrocknen?


    – Indem man ihn ins Meer wirft.“


    [Inschrift, die der Protagonist des Films „Samsara“ liest unter den Qualen der Entscheidung, ob er ein Leben als Mönch oder als Familienvater führen soll
    Bei dieser Überlegung ist natürlich die Entsagung ein wichtiger Punkt, weswegen dieses Kapitel weiter Aufschluss geben kann]


  • Meine Ideale aufgeben?


    Religion ist keine Bürde. Freiheit ist das Ideal.

    Der praktische Mensch sagt uns allerdings: „Zerbrecht euch nicht den Kopf über solchen Unsinn wie Religion und Metaphysik. Dies ist in der Tat eine schlechte Welt, aber macht das Beste daraus.“ Das bedeutet schlicht: Lebt ein heuchlerisches, lügenhaftes Leben, ein Leben voller Betrug. Deckt die Wunden zu, klebt ein Pflaster nach dem anderen darauf, bis ihr nur noch Flickwerk seid. Das nennt man dann ein praktisches Leben. Wer mit diesem Flickwerk zufrieden ist, wird nie zur Religion kommen. Am Anfang der Religion steht eine ungeheure Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen Stand der Dinge, mit unserem Leben und eine Abneigung gegen Betrug und Lüge.

    Unser Ideal ist ohne Zweifel weit entfernt, aber wir wissen, dass wir es erreichen werden. Wir müssen sogar das höchste Ideal haben.

    Vivekananda

  • Die Sache mit dem Schicksal


    Ich habe Astrologen erlebt, die wunderbare Dinge vorhersagten, aber ich glaube nicht, dass sie das aus den Sternen hatten. In vielen Fällen ist es einfach Gedankenlesen. Manchmal gibt es gute Vorhersagen, aber oftmals ist es reiner Unsinn.
    Wir mögen unter dem Einfluss der Planeten stehen, aber es sollte uns wenig kümmern. Buddha hat gesagt: „Man sollte die meiden, die vom Kalkulieren mit den Sternen leben oder von anderen Tricks.“ Er musste es wissen, denn er war der größte Hindu, der je geboren wurde. Lasst die Sterne kommen. Was schadet das? Wenn ein Stern mein Leben stören kann, ist es keinen Pfennig wert. Astrologie und all diese mystischen Dinge sind oft nur ein Zeichen von Schwachsinn. Sobald sie von unserem Denken Besitz ergreifen, sollten wir einen Arzt aufsuchen, gut essen und uns Ruhe gönnen.
    Vedanta: Der Ozean der Weisheit, O.W. Barth Verlag, München


    Vivekananda


  • „Die einzig wahre Religion“


    Sie sind nicht intelligent genug, um zu erkennen, dass Er, der Krishna genannt wird, auch Shiva ist und die ursächliche Shakti, und dass er auch Jesus und Allah genannt wird.
    Der gewöhnliche Mensch hält durch Erkenntnislosigkeit seine eigene Religion für die beste und macht nutzlosen Lärm darüber; erlangt er aber wahre Erkenntnis, hört jeder sektiererische Streit auf.

    Rāmakrishna

  •  
           Nichts soll dich verwirren
           nichts soll dich beirren
           alles vergeht.

           Gott wird sich stets gleichen
           Geduld kann erreichen,
           was nicht verweht.

           Wer Gott kann erwählen,
           nichts wird solchem fehlen:
           Gott nur besteht.


    Theresa von Ávila