• Der Weg des selbstlosen Handelns


    Egoismus ist die Hauptsünde: an uns selbst zuerst zu denken. Selbstsüchtig ist, wer so denkt: „Ich will als Erster essen, ich will mehr Geld als andere haben und alles besitzen. Ich will vor den anderen in den Himmel kommen, ich will Erlösung vor den anderen erlangen.“ Der Selbstlose sagt: „Ich will der Letzte sein, ich frage nicht danach, ob ich in den Himmel komme; wenn ich damit meinen Brüdern helfen kann, so will ich auch zur Hölle fahren.“ Diese Selbstlosigkeit ist der Prüfstein der Religion. Bist du es, so bist du vollkommen, ohne ein einziges religiöses Buch zu lesen, ohne eine einzige Kirche oder einen Tempel zu betreten. Eine Biographie, Heinrich Schwab Verlag, Argenbühl-Eglofstal

    Vivekananda


  • Wenn einer von euch einen Knecht hat, der pflügt oder das Vieh weidet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Komm gleich her und begib dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich, bis ich gegessen und getrunken habe; danach kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Knecht, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen war, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren. 17,7

    Lukas-Evangelium


  • Die Pflicht – wie sie im Allgemeinen verstanden wird – lastet wie eine Krankheit auf uns; sie treibt uns immer voran. Sie legt uns Fesseln an und macht unser ganzes Leben elend. Sie ist der Fluch des menschlichen Lebens. Schaut euch die armen Sklaven der Pflicht an! Sie gehen fort zur Arbeit und die Pflicht ist ihnen eine Last. Sie kommen heim und denken an die Arbeit des nächsten Tages. So wird Pflicht im Allgemeinen verstanden.
    99% der Menschen arbeiten wie Sklaven, und das Ergebnis ist Leid. Es ist alles selbstsüchtiges Tun.
    Nur wer von Erfolg und Anerkennung seiner Arbeit abhängt, murrt über die Art der ihm auferlegten Pflichten. Einem Menschen, der nicht davon abhängt, sind alle Pflichten gleich lieb; sie dienen ihm als wirksame Mittel, um Selbstsucht und Sinnlichkeit zu ersticken und die Freiheit der Seele zu erringen. Eine Biographie, Heinrich Schwab Verlag, Argenbühl-Eglofstal

    Vivekananda


  • Vollziehe dein dir zustehendes Werk, denn Tätigkeit ist besser als Untätigkeit, und selbst die Erhaltung des Körpers gelingt nicht ohne tätig zu sein. 8
    Aber für den Menschen, der sich allein am Selbst erfreut, am Selbst genug hat, im Selbst Befriedigung findet, gibt es kein Werk mehr, das er tun müsste. 17
    So verfolgt er auch nicht die Absicht, durch Handlungen, die er vollbracht hat, und durch Handlungen, die er nicht vollbracht hat, irgendetwas in dieser Welt zu gewinnen. Unabhängig steht er allen Wesen gegenüber hinsichtlich aller Ziele, die erreicht werden sollen. 18
    Vollbringe darum immer, ohne Anhänglichkeit, die auszuführende Tat, denn durch Handeln ohne Anhänglichkeit gelangt der Mensch zum Höchsten. III 19

    Bhagavadgītā


  • Jetzt siehst du, was der Arbeits-Weg bedeutet; sogar im Moment des Todes jedermann zu helfen, ohne Fragen zu stellen. Werde Millionen von Malen betrogen und stelle nie eine Frage, und denke nie daran, was du tust. Rühme dich nie deiner Gaben an die Armen, oder erwarte ihre Dankbarkeit, sondern sei ihnen dankbar, dass sie dir die Gelegenheit gegeben haben, ihnen Güte zu erweisen.
    Es ist also klar, dass es eine viel schwierigere Aufgabe ist, ein idealer Hausherr zu sein, als ein idealer Mönch. Das wahre Arbeitsleben ist in der Tat ebenso schwer, wenn nicht sogar schwerer, als das gleichermaßen wahre Leben der Entsagung. CW I, Karma-Yoga, The Secret of Work

    Vivekananda