• Der Weg der Erkenntnis

    Ich habe gesagt: Ihr seid Götter, /
    ihr alle seid Söhne des Höchsten. Ps 82,6, vgl. Joh 10,34

    Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? 1Kor 3,16

    Seid also ihr vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist! Mt 5,48

    Bibel


  • „Was meint ihr, Mönche, ist die sichtbare Gestalt beständig oder unbeständig?“
    „Unbeständig, Erhabener.“
    „Wenn etwas unbeständig ist, ist es leidvoll oder freudvoll?“
    „Leidvoll, Erhabener.“
    „Wenn etwas unbeständig, leidvoll, veränderlich ist, kann man, wenn man das betrachtet, sagen: das ist mein, das bin ich, das ist mein Selbst?“
    „Das kann man nicht, Erhabener.“ Mahā-Vagga I,6

    Buddha




  • Was ist der Mensch? Ist er bloß Haut, Fleisch, Knochen und Adern? Dem ist nicht so! Der wahre Mensch ist die Seele; und die Dinge, welche wir genannt haben, die Haut, das Fleisch, die Knochen und Adern, sind bloß ein Gewand, eine Hülle, sie sind aber nicht der Mensch. Wenn der Mensch weggeht (von der Erde), entkleidet er sich dieser Hüllen, die er ankleidet.
    Dies sind aber bloß Gewänder; denn im Innern ist das tiefe Geheimnis des himmlischen Menschen. Alles ist unten geheimnisvoll sowie oben. Darum heißt es: Und Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde.
    vgl Gen 1,27; A. Franck, Die Kabbala, Reprint-Verlag, Leipzig


    Kabbala


  • Ein Ende haben die Körper, unzerstörbar und unfassbar aber ist das Ewige, welches in diese Körper eingegangen ist. 18
    Nicht wird er geboren, noch stirbt er jemals. Er ist nicht geworden, noch wird er in Zukunft nicht mehr sein. Er ist ungeboren, ewig, dauerhaft und uralt. Er wird nicht getötet, wenn der Körper getötet wird. 20
    Schwerter verwunden ihn nicht, das Feuer verbrennt ihn nicht, das Wasser benetzt ihn nicht, der Wind trocknet ihn nicht aus. 23
    Nicht zu verwunden ist er und nicht zu verbrennen, nicht zu benetzen und nicht auszutrocknen. Er ist ewig, allgegenwärtig, unwandelbar, unbeweglich, immerwährend. II 24
    Bhagavadgītā




    Aus diesem äußerst Subtilen besteht die ganze Welt. Das ist die wahre Wirklichkeit. Das ist der Ātman. Das bist du, Shvetaketu. VI
    Chāndogya-Upanischade



  • „Heiliger Geist“ ist die ihm eigentümliche und zukommende Bezeichnung, da das vornehmlich der Name des ganz Unkörperlichen, des rein Unstofflichen und Ungeteilten ist.
    An ihn wendet sich alles, was nach Heiligung strebt; zu ihm richtet sich alles, was nach der Tugend lebt, was gleichsam durch seinen Anhauch belebt wird und von ihm Hilfe für sein eigenes, seiner Natur entsprechendes Ziel empfängt. Alles andere vollendend, mangelt ihm selbst nichts. Er ist in seinem Leben nicht abhängig, sondern schenkt selbst Leben. Er wird durch Hinzufügung nicht größer, sondern ist von vorneherein vollendet. Er ist in sich selbst gegründet und an allen Orten.
    Ohne zu leiden, teilt er sich, unversehrt gibt er Anteil an sich, vergleichbar dem Sonnenstrahl. Jedes Wesen erfreut sich an ihm und scheint ihn allein für sich zu haben, und doch sind Erde, Luft und Ozean von seinem Licht erfüllt. XI, Über den Heiligen Geist, Herder Verlag, Freiburg

    Basilius der Große



  • Unter Erleuchtung verstehe ich, an nichts zu glauben, an etwas zu glauben, das nicht Form noch Farbe hat, das bereit ist, Form und Farbe anzunehmen. Diese Erleuchtung ist die unwandelbare Wahrheit. Es ist diese echte Wahrheit auf der unsere Aktivität, unser Denken und unsere Praxis gegründet sein sollten.

    Zen-Praxis ist der direkte Ausdruck unserer wahren Natur. Zen-Geist, Anfänger-Geist, Herder Verlag, Freiburg

    Shunryu Suzuki


  • Wir selbst sind dieses unpersönliche Wesen; jener Gott, den wir in der ganzen Welt gesucht haben, sind wir selbst; nicht im persönlichen, sondern im unpersönlichen Sinn. Der Mensch, den wir kennen, der sichtbare Mensch, ist personifiziert, aber die Wirklichkeit in ihm ist das Unpersönliche. Als sichtbar gewordene Wesen scheinen wir voneinander getrennt zu sein, doch die uns allen innewohnende Wirklichkeit ist ein Einziges.
    Es ist der Pfad der Vereinigung für die Starken, die weder mystisch noch fromm veranlagt sind, sondern denen Vernunft über alles geht.
    Jnana-Yoga: Der Pfad der Erkenntnis, Phänomen Verlag, Hamburg


    Vivekananda


  • Das erste Anzeichen von Erkenntnis ist Friedfertigkeit, und das zweite ist Ichlosigkeit. Ihr besitzt beide. Es gibt noch weitere Anzeichen für einen Jñāni. Er zeigt Gleichmut in Gegenwart eines Heiligen, ist wie ein Löwe bei der Arbeit, zum Beispiel wenn er Vorträge hält, und ist voller Witz im Umgang mit seiner Frau.
    Vielleicht hat er viel Besitz – Couch, Stühle, Gemälde und eine Kutsche. Aber es kann passieren, dass er von einem Tag zum andern alles liegen lässt und fortgeht nach Benares. VII, Das Vermächtnis, O.W. Barth Verlag, München

    Rāmakrishna 


  • Arbeit auf dem Erkenntnis-Weg


    Obwohl Körper und Denken Handlungen vollziehen, wissen sie (die nach Erkenntnis Strebenden), dass sie in Wirklichkeit überhaupt nicht arbeiten. Inmitten intensiver Aktivität ruhen sie in der tiefen Stille des Selbst. Da sie die Haltung eines Beobachters einnehmen, denken sie stets, dass sie nicht der Körper und nicht das Denken sind: Sie wissen, dass das Selbst von Müdigkeit oder Angst oder Aufregung nicht berührt wird; rein, vollkommen und frei muss sich das Selbst auf keinen Kampf einlassen, hat es kein Ziel zu erreichen. Eine Einführung, Vedanta-Press, Hollywood, CA

    Vrajaprana