Über die Bequemlichkeit


Ich habe immer wieder gesehen, dass der Geist sich besser entfaltet und die innere Freude größer ist, wenn es an äußeren Bequemlichkeiten fehlt. Was nützt denn auch ein großes Haus? Wir bewohnen darin ja doch nur eine Zelle. Und was nützt uns deren Größe und schöne Ausschmückung? Wir leben doch nicht darin, um die Wände zu betrachten, sondern um zu bedenken, dass wir hier nicht für immer wohnen, sondern nur für kurze Zeit unseres Lebens, wie lang es auch sein möge. Erika Lorenz, Texte zum Nachdenken, Herder-Verlag, Freiburg

Theresa von Ávila

Und sagt mir, Leute von Orphales, was habt ihr in diesen Häusern? Und was bewacht ihr hinter verriegelten Türen?
Habt ihr Frieden, den ruhigen Trieb, der eure Kraft offenbart?
Habt ihr Schönheit, die das Herz von Dingen, aus Holz und Stein geschaffen, zum heiligen Berg hinführt?
Sagt mir, habt ihr derlei in euren Häusern?
Oder habt ihr nur Bequemlichkeit und das Verlangen nach Bequemlichkeit, dem verstohlenen Ding, das euer Haus als Gast betritt, dann zum Wirt und schließlich zum Herrn wird?
Ja, und sie wird zum Bezähmer, und mit Haken und Geißel macht sie Marionetten aus euren höheren Wünschen. Der Prophet, Patmos Verlag, Düsseldorf

Khalil Gibran

Nur wenn die Atmosphäre und die Umstände hart sind, sind die Menschen empfänglich. Ansonsten haben sie ihren eigenen Unsinn am Laufen. Spiritualität ist nicht gegen Bequemlichkeit und Wohlbefinden. Es ist einfach so, dass die meisten Menschen Bequemlichkeit und Wohlbefinden missbrauchen. Wenn sie in einem Zustand der Bequemlichkeit und des Wohlbefindens sind, leben sie ein so belangloses und dummes Leben. Bequemlichkeit und Wohlbefinden berauben sie völlig ihrer Intelligenz. Aus diesem Grund ist die Askese aufgekommen, und nicht, weil man gegen Bequemlichkeit und Wohlbefinden ist. Nur sehr wenige Menschen haben die nötige Intelligenz, um in Bequemlichkeit und völligem Wohlbefinden zu leben und trotzdem offen für alles in der Welt zu sein, nur sehr sehr wenige. Yoga of the Feminine 2

Sadhguru