Die Rolle der Eltern in der Erziehung

 

Die Achtung der Älteren

Mein Eltern ermahnten mich: „Wenn jemand spricht, egal, ob es sich um einen alten Menschen handelt oder nicht, haben Kinder nicht dazwischenzureden. Du musst warten, bis der Betreffende fertig ist, dann erst darfst du sprechen. Wenn dir ein alter Mann entgegenkommt und der Weg für zwei Menschen zu schmal ist, musst du zur Seite treten und ihn vorbeilassen. Du darfst den Alten nicht zwingen, dir auszuweichen. Triffst du ihn an einem heißen Tag, frag nicht: ‚Großvater, hast du Durst?’ Geh und hol ihm etwas Wasser und sag zu ihm: ‚Großvater, hier hast du etwas zu trinken.’ Er wird dir danken, und wenn du Glück hast, wird er dich segnen. Aber aus diesem Grund darfst du es nicht tun. Tu es aus Achtung vor dem Alter.“Der Wind ist meine Mutter, Bastei Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach

Bear Heart

Die Selbstachtung der Kinder

Die Kleinfamilie ist eine recht neue Erfindung. Außer Mutter und Vater sind nur ein oder zwei Kinder da. Manchmal gibt es in solchen Familien nicht genug Luft zum Atmen. Wenn Probleme zwischen Vater und Mutter auftreten, bekommt die ganze Familie die Auswirkungen davon zu spüren. Die Atmosphäre im Haus ist gespannt, und es gibt kein Entrinnen. Manchmal mag das Kind ins Badezimmer gehen und die Tür verschließen, nur um allein zu sein – aber dennoch ist kein Entkommen möglich, denn die gespannte Atmosphäre durchdringt auch das Badezimmer. So wächst das Kind mit vielen Samen für Leiden heran und überträgt diese später auf die eigenen Kinder.
Liebevolle Rede ist ein wesentlicher Aspekt der Übung. Jedesmal, wenn der andere etwas gut erledigt hat, sollten wir sie oder ihn beglückwünschen, um so unsere Anerkennung auszudrücken.


Dies ist vor allem bei Kindern wichtig. Wir müssen die Selbstachtung unserer Kinder stärken. Alles Gute, was sie sagen und tun, müssen wir wertschätzen und loben, um unsere Kinder in ihrem Wachstum zu fördern. Wir betrachten die Dinge nicht als selbstverständlich. Wenn unsere Mitmenschen Talent oder die Fähigkeit entwickeln, zu lieben und Freude zu schenken, müssen wir uns dies bewusst machen und unsere Anerkennung zum Ausdruck bringen. So bewässern wir die Samen des Glücks. Wir sollten es vermeiden, destruktive Dinge zu sagen wie: „Ich bezweifle, dass du dies tun kannst.“ Geschichten von der Kunst des achtsamen Lebens, Goldmann Verlag, München

Thich Nhat Hanh

„Aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen“


Die tiefste Verletzung, die Eltern ihren Kindern zufügen können, ist, es in seiner Einmaligkeit lächerlich zu machen. Es wird in das Bild hineingezwängt, das wir uns von ihm machen – und so gezwungen, sich anzupassen und das ursprüngliche Gefühl für seine Einzigartigkeit zu verleugnen.

Anselm Grün


Besonders Kinder werden häufig übersehen oder nicht ernst genug genommen. Lassen wir sie wirklich ganz sie selbst sein? Wahrscheinlich werden wir einen Weg zurückgehen müssen, wenn wir sie ernst nehmen und verstehen wollen. Wir werden zurückgehen müssen bis in unsere eigene Kindheit, werden uns erinnern müssen an unsere eigenen Kinderängste, Wünsche und Sehnsüchte, an unser Kinderleben mit seinen Freuden und Leiden, um dahin zu gelangen, ein Kind zu verstehen. Meditationspraxis, Mosaik-Verlag, München

J.F. Boeckel

Die Eltern als lebende Vorbilder


Die meisten Eltern kümmern sich, aus unterschiedlichen Gründen, herzlich wenig um die wirkliche Erziehung ihrer Kinder. Wenn sie ein Kind in die Welt gesetzt haben, und wenn sie ihm Nahrung geben und seine verschiedenen materiellen Bedürfnisse befriedigen, indem sie mehr oder weniger gut über die Erhaltung seiner Gesundheit wachen, so glauben sie, ihre Pflicht und Schuldigkeit getan zu haben. Später senden sie es dann zur Schule und überlassen den Lehrern die Sorge um seine Erziehung.
Andere Eltern wissen, dass ihr Kind eine Erziehung erhalten muss, und sie bemühen sich, sie ihm zu geben. Aber nur bei sehr wenigen von ihnen, selbst bei den Ernsthaftesten und Aufrichtigsten, ist das Wissen da, dass das erste, was man zu tun hat, um ein Kind erziehen zu können, darin besteht, sich selbst zu erziehen, bewusst zu werden und Meister seiner selbst, um nie dem Kind ein schlechtes Beispiel zu geben. Denn vor allem ist es das Beispiel, das die Erziehung fruchtbar macht. Gute Worte und weise Ratschläge machen wenig Eindruck auf ein Kind, wenn man ihm nicht das lebendige Beispiel gibt. Über Erziehung, Sri Aurobindo Ashram, Pondicherry
Mira Alfassa