Das Denken

Seine Rastlosigkeit und Zerstreuung


Man vergleicht das menschliche Denken mit einem Affen, der seinem Wesen nach ruhelos ist, dann trunken wird vom Wein der Wünsche, darauf vom Skorpion des Neids gestochen wird, bis schließlich der Dämon des Stolzes von ihm Besitz ergreift und Überheblichkeit sich ausbreitet. Wie schwer ist es, solch ein Denken zu beherrschen! Abenteuer des religiösen Lebens, vgl CW I Raja Yoga
Yatiswarananda



Wie ein Affe, ihr Mönche, der in einem Walde, einem Gehölz umherstreift, einen Ast ergreift und den fahrenlässt und einen andern ergreift, so entsteht und vergeht, was Geist genannt wird oder Denken oder [wahrnehmendes] Bewusstsein, immer wechselnd Tag und Nacht. Samyutta Nikāya 12.61
Buddha

Beherrschung des Denkens


„Wie rastlos ist doch das Denken, stürmisch, stark und hartnäckig. Mir scheint, es ist ebenso schwer zu bändigen wie der Wind.“
„O Arjuna, ohne Zweifel ist der Geist schwer zu zügeln und ruhelos; doch kann er durch beständige Übung und Nicht-Verhaftetsein beherrscht werden.“ VI 34-35
Bhagavadgītā






Übung und Nichtanhaften führen zur Ruhe des Geistes. Yoga Sutra I 12
Patanjali

Läuterung des Denkens


An sich sind Erinnerungen harmlos. Nur die mit ihnen einhergehenden Impulse schaffen uns Kummer. Angenommen, B ist unverschämt zu A. Wann immer A danach an B denkt, löst das auch Impulse von Ärger in ihm aus. Angenommen aber, A verzeiht B, dann kann das Bild von B ruhig in ihm hochsteigen, ohne dass er sich ärgert. Das Sichfesthaken instinktiver Impulse an Erinnerungen ist an all unseren emotionalen Problemen schuld. Wie Luftraketen greifen Impulse aus dem Tiefenbewusstsein die in unserem Denken aufscheinenden Erinnerungen an. In solch einem Augenblick handeln wir, ohne über vergangene Erfahrungen oder künftige Folgen nachzudenken.
Der erste Kampf im spirituellen Leben besteht darin, die Verknüpfung von Erinnerung und Impuls zu zerreißen. Das ist es, was Läuterung des Denkens eigentlich bedeutet. In einem reinen Denkbewusstsein regen sich keine instinktiven Impulse. Erinnerungen in Form von Bildern und Gedanken steigen hoch, doch sind sie hier nicht an Impulse gebunden. Wie weiße Wolken, die ohne zu regnen sich wieder im Blau auflösen, lösen sich diese Erinnerungen wieder auf, nachdem sie kurz im Bewusstseinsfeld verweilt haben. Meditation, Vedanta-Zentrum Wiesbaden
Bhajanananda

Identifikation mit dem Höchsten


Der Gedanke ist das allein Maßgebende, denn wir werden, was wir denken. Aus einem Menschen, der sich Tag und Nacht für schlecht, niedrig und für ein Nichts hält, kann auch nichts werden. Sagst du aber: „Ja, ja, ich bin, ich bin“, so wirst du sein, und sagst du dir, dass du ein Nichts bist, und meditierst Tag und Nacht darüber, so wirst du auch ein Nichts werden. Diese Tatsache solltest du dir stets vor Augen halten. Eine Biographie, Heinrich Schwab Verlag, Argenbühl-Eglofstal

Vivekananda

Das Denken nimmt jede Farbe an. Es ist wie ein weißes Laken, das frisch aus der Wäscherei kommt. Taucht man es in rote Farbe, so wird es rot, und taucht man es in blaue oder grüne, dann wird es blau oder grün. Es nimmt die Farbe an, in die man es taucht. Habt ihr schon bemerkt, dass man, wenn man ein bisschen Englisch gelesen hat, sofort anfängt, englische Worte zu gebrauchen? Dann zieht man Schuhe an und flötet eine Melodie, und so geht es weiter. Wenn ein Gelehrter Sanskrit studiert, rasselt er sofort Sanskritverse herunter. Geratet ihr in schlechte Gesellschaft, werdet ihr wie eure Gefährten denken und reden. Wenn ihr euch aber in der Gesellschaft von Gottesverehrern befindet, denkt und sprecht ihr nur noch über Gott.

Bindung liegt im Denken, und Freiheit liegt auch im Denken. Der Mensch ist frei, wenn er ständig denkt: „Ich bin eine freie Seele. Wie kann ich gebunden sein, ob ich nun in der Welt lebe oder im Walde? Ich bin ein Kind Gottes, des Königs der Könige. Wer kann mich binden?“ Nach einem Schlangenbiss kann man das Gift loswerden, wenn man felsenfest erklärt: „Es ist kein Gift in mir.“ Wenn man genauso entschlossen erklärt: „Ich bin nicht gebunden, ich bin frei“, dann wird man auch frei. Das Vermächtnis IV, O.W. Barth Verlag, München
Rāmakrishna

Kraft durch Sammlung


Für mich ist Konzentration des Denkens der Kern der Erziehung und nicht die Ansammlung von Fakten. Eine Biographie, Heinrich Schwab Verlag

Wie ist alle Erkenntnis in der Welt erlangt worden, wenn nicht durch Konzentration des Denkens? Die Welt ist bereit, ihre Geheimnisse preiszugeben, wenn wir nur richtig anklopfen, ihr den notwendigen Stoß versetzen. Die Durchschlagskraft dieses Stoßes entsteht durch Konzentration. Es gibt keine Grenze für die Kraft des menschlichen Denkens. Je konzentrierter es ist, desto mehr Kraft kann auf einen Punkt gerichtet werden. Das ist das Geheimnis. Vedanta: Der Ozean der Weisheit, O.W. Barth Verlag, München

Vivekananda


Mit anderen Worten, das wesentliche Problem des Menschen ist die mangelnde Aufmerksamkeit. Mit Schärfe und Intensität der Aufmerksamkeit kannst du fast jede Tür in diesem Universum öffnen. Es hängt alles davon ab, wie scharf und intensiv deine Aufmerksamkeit ist und wie viel Energie hinter ihr steht. In diesem Zusammenhang ist der Atem ein treffliches Hilfsmittel, weil er ständig vor sich geht, solange wir am Leben sind. Der Atem ist die ganze Zeit da. Du musst nur bewusst sein. isha.sadhguru.org - The Breath, Passage to Liberation

Sadhguru