Über Beziehungen


Abbas Paulos Kosmetes und Timotheos, sein Bruder, hatten ihren Sitz in der Sketis, und oft kam es unter ihnen zum Streit. Da sagte Abbas Paulos: „Wie lange bleiben wir so?“ Abbas Timotheos antwortete: „Erweise mir die Liebe und ertrage mich, wenn ich dir lästig falle, und wenn du mir lästig fällst, will auch ich dich ertragen.“ Sie machten es so und hatten für die übrigen Lebenstage Ruhe. Sartory, Lebenshilfe aus der Wüste, Herder-Verlag, Freiburg
Wüstenväter

Der moderne Westen prahlt, dass seine Männer und Frauen freie Individuen sind. Das bedeutet, dass sie sich gegenseitig als mentale Wesen betrachten. Aber genau hier liegt die Gefahr. Einen Mann oder eine Frau als einen Gedanken- und Gefühlskomplex zu betrachten bedeutet, ihm oder ihr eine Individualität zuzuschreiben, die unverletzlich, unanpassbar und starr ist. Mentale Individualität ist egozentrisch. Seine Orientierung richtet sich viel eher auf sich selbst als von sich selbst weg. Sie ist äußerst sensibel was ihre Eigenheiten angeht und darauf bedacht, alles für ihre eigenen Zwecke zu gebrauchen. Sie ist von habgieriger Natur und unterwirft sich nichts. Einheit, gegenseitige Liebe und Nachsicht mit anderen sind so unmöglich geworden. Das Opfer der Individualität ist für ein glückliches familiäres Leben dringend notwendig.
Die westliche Auffassung von Individualität ist vorwiegend mentaler Natur, sie ist nicht spirituell. Call to the Eternal VI, Advaita Asharama, Kalkutta

Ashokananda

Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch sich zu einer Verfehlung hinreißen lässt, so sollt ihr, die ihr vom Geist erfüllt seid, ihn im Geist der Sanftmut zurechtweisen. Doch gib Acht, dass du nicht selbst in Versuchung gerätst! Gal 6,1
Neues Testament




Meine Tochter, unsere Vollkommenheit besteht zum großen Teil darin, dass wir einander in unseren Unvollkommenheiten ertragen; denn worin könnten wir die Liebe zum Nächsten üben, wenn nicht darin, dass wir einander ertragen? Briefe III
Franz von Sales