• Patrul Rinpoche schrieb: „Die außerordentlichen Qualitäten großer Meister, die ihre wahre Natur nicht offen zeigen, sind für uns gewöhnliche Menschen trotz eingehendster Untersuchung nicht zu erkennen. Andererseits können selbst einfache Scharlatane andere meisterhaft täuschen, indem sie wie Heilige tun.“
    Patrul Rinpoche schrieb dies im letzten Jahrhundert in Tibet, wie treffend aber beschreibt er damit das Chaos unseres heutigen spirituellen Supermarktes!
    I 9, Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben, Knaur Verlag, München


    Sogyal Rinpoche


  • Der einzige Meister ist Sein-Bewusstsein-Seligkeit. Wenn ein Mensch in Gestalt eines Gurus euer spirituelles Bewusstsein wachruft, dann dürft ihr gewiss sein, dass Gott diese menschliche Form zu eurem Wohle angenommen hat.
    Der Guru ist wie ein Gefährte, der euch an die Hand nimmt und führt. Nach der Erkenntnis Gottes verschwindet der Unterschied zwischen Guru und Schüler.
    VI, Das Vermächtnis, O.W. Barth Verlag, München


    Rāmakrishna

  • Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen.
    Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jo 20,15-16

    Neues Testament




    [Anm.: Im Christentum wird gemäß Mt 23,8 Christus als universeller Meister angesehen. Dennoch gibt es auch hier Beichtväter, Seelenführer, Starzen, die als Mittler des Geistes Christi spirituell Strebende führen]

  • Es ist sehr notwendig, einen erfahrenen Meister zu haben, der die Seele zu führen versteht. Denn mit ihrem Fortschreiten macht sie Erfahrungen, über die sie sich besprechen muss. Wenn sie aber keinen Meister findet, so wird der Herr ihr helfen, so wie er auch mir nicht gefehlt hat, da ich die wurde, die ich bin. Denn ich glaube, es gibt nur wenige Seelenführer, die große Erfahrung in diesen Dingen haben.
    Erika Lorenz, Texte zum Nachdenken, Herder-Verlag, Freiburg


    Theresa von Ávila

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    Geistliche Lehrer sind selten; noch seltener sind wahre Schüler. Wo findet man einen demütigen Menschen?
    Jean-Yves Leloup, Worte vom Berg Athos, Ars sacra Müller, München


    Mönche vom Berg Athos

  • Die Sicht der Menschen im Westen ist auf so unnatürliche Weise egoistisch und individualistisch, dass sie geneigt sind zu denken, die Notwendigkeit eines Meisters wäre eine Illusion. Ist die Wahrheit nicht bereits in uns? Ist Gott nicht überall? Das ist alles schönes Gerede, nur ziemlich bedeutungslos. Ja, Gott ist überall. Und die Wahrheit ist inwendig in uns. Aber es ist eine Tatsache, dass wir uns seit so vielen Leben trotz Seiner Allmacht und Allgegenwart im Schlamm der Weltlichkeit suhlen, und dass wir, obwohl wir im Besitz des Schatzes der Wahrheit sind, in unserer Unwissenheit fortfahren wie eh und je. Am besten ist es daher, solch unnützes Gerede sein zu lassen und wie ernsthafte, praktische Menschen zu handeln. Aus welchem Grund auch immer hat Gott den Zugang zu sich selbst extrem schwierig gestaltet. Wieder und wieder haben Seine Heiligen erklärt, dass es einem Menschen nur sehr selten gelingt, Gott zu erkennen. Und auch dann, durch wie viel Mühsal und Kummer! Dieses wissend, muss der Mensch ans Äußerste gehen um Das zu schaffen. Und bei diesem Versuch besteht die dringlichste Notwendigkeit eines Meisters. Spiritual Practice, Advaita Ashrama, Kolkata

    Ashokananda


  • In dem Augenblick, in dem ihr einem Meister begegnet, solltet ihr ihn verlassen und unabhängig sein. Ihr braucht einen Meister, damit ihr unabhängig werden könnt. Wenn ihr ihm nicht anhängt, zeigt der Meister euch den Weg zu euch selbst. Ihr habt einen Meister für euch selbst, nicht für den Meister. Zen-Geist, Anfänger-Geist, Herder Verlag, Freiburg
    Shunryu Suzuki






    Wir sind Mittel zum Erreichen des Ziels. Es ist notwendig, dass die Suchenden sich von uns entfernen und nur an das Ziel denken.
    Baha'uddin Naqshbands



  • Im Westen sind wir gewohnt, dass eine Beziehung um so persönlicher wird, je intimer sie ist. Dies mag bei menschlichen Beziehungen wahr scheinen, doch spirituell gesehen kann wahre Intimität nur auf der Ebene der Seele erfahren werden.
    Deshalb ist die Beziehung zum Lehrer intim und unpersönlich zugleich, was für die Menschen im Westen sehr verwirrend sein kann. Jeder Versuch, eine persönliche Beziehung zum Meister zu knüpfen, lässt diese Beziehung an Wirkung verlieren. Transformation des Herzens - Die Lehren der Sufis, Fischer Verlag, Frankfurt

    Llewellyn Vaughan-Lee


  • Der Weg der Meisterschaft ist steil. Oft hält den Schüler nichts anderes mehr in Bewegung als der Glaube an den Lehrer, aus dem ihn jetzt erst die Meisterschaft anblickt: er lebt ihm das innere Werk vor und überzeugt durch nichts anderes als durch sein bloßes Dasein.
    Der Schüler, wohin ihn auch der Weg führen möge, kann seinen Lehrer wohl aus den Augen verlieren, aber nicht vergessen. In einer zu jedem Opfer bereiten Dankbarkeit, in die sich die kritiklose Verehrung des Anfängers, der rettende Glaube des Künstlers gewandelt hat, steht er für ihn ein. An unzähligen Beispielen bis in die jüngste Vergangenheit ließe sich darlegen, dass diese Dankbarkeit das Maß dessen, was sonst unter Menschen üblich ist, weit hinter sich lässt.
    Zen in der Kunst des Bogenschießens, O.W. Barth Verlag, München


    Eugen Herrigel