• Ende 1866 begann der Meister mit den Übungen des Islam. Er kleidete sich als Muselman und wiederholte den Namen Allahs. Seine Gebete nahmen islamische Formen an. Er vergaß die Hindu-Götter und
    -Göttinnen, selbst Kālī, und ging nicht mehr in die Tempel. Nach drei Tagen hatte er die Vision einer leuchtenden Gestalt, wahrscheinlich Mohammeds. Diese Gestalt kam ihm entgegen und verlor sich schließlich in ihm. Der mächtige Strom des Islam hatte ihn zurückgeführt zum Ozean des Absoluten.
    Acht Jahre später wurde Rāmakrishna von dem unwiderstehlichen Drang befallen, die Wahrheit der christlichen Religion kennenzulernen. Er ließ sich aus der Bibel vorlesen. Eines Tages saß er in der Halle von J.M.’s Gartenhaus, als sein Blick auf ein Bild der Madonna mit dem Kinde fiel. Er betrachtete es aufmerksam und wurde allmählich von einem starken Gefühl überwältigt. Die Gestalten des Bildes wurden lebendig und sandten Lichtstrahlen aus, die in seine Seele drangen. Die Wirkung dieses Erlebnisses war stärker als bei der Vision Mohammeds. Die Schranken von Konfession und Religion durchbrechend, geriet er in eine neuartige Ekstase. Am vierten Tag sah er eine Gestalt mit großen, schönen Augen, leuchtendem Antlitz und heller Hautfarbe auf sich zukommen. Der Menschensohn umarmte den Sohn der Göttlichen Mutter und ging in ihn ein. Rāmakrishna erfuhr seine Identität mit Christus, wie er bereits seine Identität mit Kāli, Rāma, Hanumān, Rādhā, Krishna, Brahman und Mohammed erfahren hatte. Vermächtnis

  • Ich sage aber, dass wir alle denselben Gott anrufen. Eifersucht und Groll brauchten nicht zu sein. Wollt ihr die Wahrheit wissen? Gott hat die verschiedenen Religionen geschaffen, damit verschiedenen Suchern in verschiedenen Ländern zu verschiedenen Zeiten geholfen wird. Alle Lehren sind nur so viele verschiedene Wege, aber ein Weg ist niemals Gott selbst. Man kann Gott erreichen, wenn man einen der Wege mit Hingabe aus vollem Herzen befolgt.
    VIII, Das Vermächtnis, O.W. Barth Verlag, München

    Rāmakrishna




    In welcher Weise die Menschen mir nahen, so nehme ich sie auf; auf jeglichem Weg folgen die Menschen meinem Pfade, o Arjuna. IV 11
    Bhagavadgītā


  • Buddhismus bedeutet einfach gesagt: „Kein Ich“. „Kein Ich“ bedeutet, dass „ich“ kein individuelles Subjekt bin. Wenn „ich“ kein individuelles Subjekt bin, dann fülle ich das ganze Universum aus. Dass ich das ganze Universum ausfülle, bedeutet, dass alle Dinge Gestalt der Wahrheit sind. 11, http://antaiji.dogen-zen.de, An Dich
    Sawaki Kôdô Rôshi




    Es sprach Jesus so: Ich bin das Licht, das über allem ist. Ich bin das Universum. Das Universum ist aus mir hervorgegangen und das Universum ist zu mir gelangt. Spaltet ein Holzscheit: Ich bin dort! Hebt einen Stein hoch, und ihr werdet mich dort finden! 77
    Thomas-Evangelium


  • Es ist daher für jeden absolut notwendig, an nichts zu glauben. Aber ich meine nicht Leere. Es gibt etwas, aber diesem etwas ist es immer möglich eine bestimmte Form anzunehmen, und es hat ein paar Regeln oder Theorien, oder Wahrheit in seiner Aktivität. Das nennt man Buddha-Natur, oder Buddha selbst. …
    Aber obwohl es drei Buddha-Formen gibt, ist es eine Existenz, die keine Form oder Farbe hat, und sie ist immer bereit Form und Farbe anzunehmen. Das ist nicht nur Theorie. Das ist nicht nur die Lehre des Buddhismus. Das ist die absolut notwendige Art, unser Leben zu verstehen. Zen-Geist, Anfänger-Geist, Herder Verlag, Freiburg

    Shunryu Suzuki


  • Die persönliche und die überpersönliche Gottesidee, das Unendliche, das Moralgesetz oder der Idealmensch – alles das fällt unter den Begriff Religion. Wenn einst Religionen auf solch breiter Grundlage ruhen werden, wird sich ihre Macht, Gutes zu stiften, verhundertfachen. Religionen, die ungeheure Kraft besitzen, haben oft mehr Schaden als Gutes in der Welt getan, nur weil sie so eng und so beschränkt waren. Deshalb müssen Religionen Weite haben; ihre Ideen müssen universal, gewaltig und unendlich sein; nur dann können sie zu voller Entfaltung kommen, denn die Macht der Religion hat eben erst angefangen, sich in der Welt kundzutun. Erweitert und geläutert, wird sie das ganze menschliche Leben durchdringen. So lange Religion in den Händen einiger Auserwählter oder der Priesterschaft lag, ruhte sie in Tempeln, Kirchen, Büchern, Dogmen, Riten und Zeremonien. Aber wenn wir sie in ihrem wirklichen, geistigen, universalen Sinne erfassen, dann, und nur dann wird Religion wahr und lebendig werden, sie wird in uns strömen, in jeder unserer Bewegungen leben, jede Pore unserer Gesellschaft durchdringen und unendlich mehr Gutes schaffen als je zuvor.
    III, Jnana-Yoga: Der Pfad der Erkenntnis, Phänomen Verlag, Hamburg



  • Ich möchte eine Religion verkünden, die sämtliche geistigen Typen, den Philosophen, den Gefühlsmenschen, den Mystiker und den Mann der Tat, befriedigt. Religion muss imstande sein, uns den Weg zu weisen, wie die von ihr gelehrte Philosophie des All-Einen im Weltall realisiert werden kann; sie muss imstande sein, den Mystiker die Wissenschaft der Analyse unseres Innenlebens und ihre praktische Anwendung zu lehren. Sie muss mit dem Gefühlsmenschen im Namen Gottes weinen und lachen und mit ihm „den Becher der Liebe trinken und liebes-trunken“ werden, und mit dem Mann der Tat muss sie tätig sein in Anwendung der ganzen ihr zu Gebote stehenden Energie. Diese Kombination kommt dem Ideal einer universalen Religion am nächsten.
    XXII, Jnana-Yoga: Der Pfad der Erkenntnis, Phänomen Verlag, Hamburg


    Vivekananda